Jump to Navigation

World Café

Das World Café gehört zu den Großgruppenmethoden. Es ist eine flexibel einsetzbare Methode zur Wissenskommunikation und Wissensgenerierung, die besonders im Rahmen von Großgruppenveranstaltungen zu produktiven Ergebnissen und hilfreichen (sozialen) Prozessen führt.

Zentral für die Methode des World Café ist das Schaffen von Raum und Atmosphäre, um offenen Dialog zwischen verschiedenen Menschen zu ermöglichen. Methodisch wird mit Verlangsamung, Visualisierung (Zeichnen und Kritzeln) und dem Vernetzen von Ideen gearbeitet, um kollektive Intelligenz sichtbar werden zu lassen. Das World Café dient dazu, wirklich gute und relevante Gespräche zu initiieren, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Erkenntnisse bzw. Muster auf tieferer Ebene gemeinsam zu entdecken. Es ist keine Methode, die sich für die unmittelbare Lösung eines Problems eignet. Sie kann aber eingesetzt werden, um eine (große) Gruppe dazu zu befähigen, alle vorhandenen Ressourcen nachher für die Problemlösung nutzen zu können.

Entwickelt wurde die Methode maßgeblich von Juanita Brown (2005). Mittlerweile gibt es umfangreiche Erfahrungen mit der Methode in ganz verschiedenen Kulturen, verschiedenen Kontexten (Business, Non-profit, Bildungsinstitutionen, Regionalentwicklung u.v.a.m.).

Die Methode lässt sich hervorragend mit anderen Methoden kombinieren, eignet sich besonders am Beginn, aber auch im Verlauf von umfassenderen Veränderungsprozessen und -veranstaltungen, ganz gleich ob es um interaktivere Konferenzgestaltungen, Hochschullehre oder um Großgruppeninterventionen in Unternehmen oder Regionen geht.

Ziele

  • relevante Gespräche ermöglichen - fokussiert auf verschiedenste Fragestellungen
  • Menschen in Kontakt und zusammenbringen
  • neue Erkenntnisse durch das Vernetzen von Ideen (kollektive Intelligenz) kreieren

Café-Regeln

Folgende Regeln sind die Basis für das World Café! Diese Regeln stehen am Beginn einer World Café Intervention, damit werden die TeilnehmerInnen vertraut gemacht, oft visualisiert im Raum und an den Tischen (zB mit kleinen Karten).

  • Konzentriere dich auf das, was wirklich wichtig ist!
  • Höre zu, um zu verstehen! (sowohl dir selbst, höre in dich hinein, als auch den anderen)
  • Teile das, was du zu sagen hast (Ideen, Erfahrungen, Gedanken), mit den anderen!
  • Verbinde Ideen!
  • Lausche gemeinsam nach tieferen Erkenntnissen, suche gemeinsam nach Mustern und Verbindungen!
  • Spiele, zeichne und kritzle, wie es dir gefällt!

Prozess

Ein World Café hat folgenden Ablauf:

0) Vor dem Beginn:

Eine angenehme Atmosphäre aufbauen: als Vorbild dient das Kaffeehaus mit kleinen Tischen und Sesseln rund um die Tische. Je nach räumlichen Gegebenheiten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, den Raum einladend zu gestalten, natürliche Kommunikation in Kleingruppen zu begünstigen und die Möglichkeit zu geben, gemeinsam Erkenntnisse und Erfahrungen in den Kleingruppen festzuhalten - typischerweise auf beschreibbare (Papier)Tischtücher auf den Tischen. Vor allem Kekse, Kaffee, Blumen u.ä. machen selbst einen alten Uni-Seminarraum freundlich und laden zum Verweilen und Miteinanderreden ein. Außerdem braucht es bunte Stifte auf den Tischen sowie sonstige Materialien, die sich zum "Spielen" eignen, um Ideen eine Form zu geben und sie kommunizierbar zu machen.

1) Beginn:

Willkommenheißen der TeilnehmerInnen, am besten persönlich.

Den Ablauf (Prozess) und den Kontext (worum geht's in diesem konkreten World Café?) für die TeilnehmerInnen erklären und die Café-Regeln einführen (am besten einige Flipcharts vorbereiten und kleine Karten auf den Tischen zum Mitnehmen).

2) Café-Runden:

Meist wird mit 3 Café-Runden gearbeitet (mehr oder weniger sind auch möglich, je nach Thema, zeitlichen Rahmenbedingungen und Anzahl der TeilnehmerInnen), in denen 3 verschiedene, meist aufeinander aufbauende Fragen bearbeitet werden. Die Entwicklung der für den entsprechenden Zweck geeigneten Fragen ist entscheidend dafür, wie gut ein World Café läuft. Hinweise zur Entwicklung guter Fragen findet man bei Vogt, Brown und Isaacs' The art of Powerful questions (2003) unter http://www.cihm.leeds.ac.uk/document_downloads/Art_of_Powerful_Questions.pdf

Die TeilnehmerInnen sitzen am Beginn bei der ersten Runde in beliebiger Gemischtheit an Tischen in Kleingruppen (optimal 4-5 Personen) und bearbeiten die erste Frage. Nach 15-25 min wechseln die TeilnehmerInnen zu anderen Tischen, vermischen sich möglichst gut, wobei einE TeilnehmerIn als TischgastgeberIn ("table host") am Tisch verbleibt, um die "Ideenreisenden" ("Travellers of ideas") von den anderen Tischen am Tisch für die folgende Runde zu empfangen und das Wissen, das am Tisch bereits entstanden ist, weiterzugeben. Die nächste Runde mit der nächsten Frage startet in diesen neuen Kleingruppen. Nach weiteren 15-25 min wechseln die TeilnehmerInnen abermals die Tische und vermischen sich möglichst vielfältig. Wieder bleibt einE GastgeberIn (die/derselbe oder einE andereR) am Tisch. Die dritte Runde startet mit der dritten Fragen.

Die Fragen sollten einen klaren Bezug zueinander und zum Zweck des World Cafés haben. Die TeilnehmerInnen sollten immer wieder ermuntert werden, das beschreibbare Tischtuch zu nutzen, Notizen zu machen, zu kritzeln, zu malen, Verbindungen zu zeichnen usw. Dabei ist aber auch darauf zu achten, dass die TeilnehmerInnen vor allem ins Reden kommen, also nicht jedeR vor sich hin malt und untereinander keine Kommunikation passiert.

Mit fortschreitender Runde sollte ab und an wieder an das Suchen nach Verbindungen und tieferen Mustern erinnert werden (oder ggf. direkt in die dritte Frage eingebaut werden).

3) Die Ernte:

Am Ende der Gesprächsrunden findet die "Ernte" ("Harvesting") statt. Das heißt, die Ideen, Gedanken, Erfahrungen, die im Laufe der Gespräche geteilt wurden und neu entstanden sind, sollten für alle sichtbar werden. Oft spüren die TeilnehmerInnen bereits vorher, dass sich bestimmte Dinge wiederholen, egal mit wem sie sprechen und an welchem Tisch zu welcher Frage sie miteinander reden. Die tieferen kollektiven Erkenntnisse sind das, was man sammeln möchte. Das kann auf unterschiedliche Weise, z.B. über Gallery Walk (Aufhängen der Tischtücher in Form einer Gallerie) oder Präsentieren der Tischtücher im Plenum durch die Hosts und/oder über abschließende Plenumsfragen ("Wenn jetzt eine einzige Stimme im Raum wäre, was würde die sagen?") passieren. Mehr dazu findet man in Juanita Browns Buch zum World Café.

Die Dokumentation des Prozesses passiert quasi schon "nebenbei". Darüber hinaus kann aber auch professionelles "Graphic Recording" oder "Graphic Facilitation" sehrhilfreich sein, um die zentralen Ideen visuell festzuhalten und auch den Erkenntnisprozess visuell zu unterstützen.

Meine Erfahrungen mit World Café

Meine Erfahrungen mit World Café sind durchwegs positiv. Das korrekte Design ist wichtig, und hier zählen vor allem die Details. Neben einigem Aufwand zur Gestaltung des Raums, der aber entscheidend für die Methode ist, liegt die größte Herausforderung im Design guter und wirklich relevanter Fragen: Die Fragen müssen sowohl für das Thema (Kontext) passend sein und gespräche in die gewünschte Richtung initiieren, als auch für die TeilnehmerInnen wirklich wichtige Fragen sein (nicht nur für den/die GastergeberIn oder die Unternehmensführung). Darin besteht die Kunst, und es braucht reichlich Erfahrung und mitunter auch kleine Testläufe, um das passende Fragenset zu entwickeln.

Ich habe die Methode in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt, etwa zum Thema "Lernen", "Design as Inquiry", "Wissensaustausch" oder "Wissensschaffung und Kreativität". Gearbeitet habe ich dabei mit unterschiedlichen Gruppen - sowohl mit welchen, die sich schon kannten, als auch mit solchen, die noch nie vorher in Kontakt miteinander waren und auch aus ganz unterschiedlichen Bereichen kamen, als auch mit solchen, in denen sich einige TeilnehmerInnen kannten und andere nicht. Ich habe World Cafés auch mit Menschen unterschiedlicher (mehrheitlich europäischer) Kulturen veranstaltet, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Die Methode funktionierte in all diesen Kontexten gut.

Jede Methode bringt auch gewisse typische Gefahren mit sich. Beim der Methode des World Café liegen die Gefahren vor allem darin, dass das Potential der Methode nicht genutzt wird und sie daher schnell abgetan wird, wenn sie nicht korrekt eingesetzt wird. Die größte Gefahr ist also, dass man nachher das Gefühl hat, nichts erreicht zu haben. Drei dieser Gefahren lassen sich meiner Erfahrung nach unterscheiden: 1) das World Café wird bloß pro forma genutzt, um TeilnehmerInnen (scheinbar) partizipieren zu lassen, die Partizipation ist aber nicht ernst gemeint (die Meinung/die Lösung/das Wissen steht vorher fest) - das passiert vor allem, wenn das World Café zur Problemlösung für ein konkretes Anliegen eingesetzt wird, wofür es sich aber nicht eignet, 2) das World Café wird als Kaffeeklatsch wahrgenommen - das liegt meist an einer ungenügenden Einleitung (Kontextsetzen), schlechten Fragen oder mangelnder Moderation des Prozesses -, oder 3) das World Café wird nur als neue Benennung von traditionellen Diskussionsrunden "verkauft" (nachdem es nicht um Diskussion, sondern vielmehr um Dialog geht, besteht die Gefahr, dass die TeilnehmerInnen nachher frustriert sind, weil ihnen alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wurde). Diesen Gefahren kann man leicht begegnen, wenn man die Methode korrekt durchführt und für Zwecke einsetzt, wofür sie geeignet ist.

Weiterführende Literatur

Brown, Juanita (2005). The World Café: Shaping our Future through Conversations that matter. McGraw-Hill Professional.

The World Café Hosting Guide. Available at: http://www.theworldcafe.com/pdfs/cafetogo.pdf.

 



Main menu 2

Dr. Radut Consulting